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14. - 30. Juni 2007

Tallinn
Priit, der nette Campingplatz- Besitzer, den wir kennen gelernt haben,
hat uns eine günstige Übernachtung in einem Hotel etwas außerhalb von
Tallinn besorgt - sogar zum Sonderpreis! Das Zimmer kostet 20,- EUR die
Nacht, es gibt WiFi, was mal wieder sehr praktisch ist... Wir haben
ziemlich Hunger und wollen im Hotelrestaurant etwas essen, aber Rosa
versteht die Rezeptionsdame falsch - das Restaurant schließt um 21.00
Uhr und wir stehen vor verschlossener Türe. Glücklicherweise besteht
unser Gepäck aus zwei Koffern „Küche“ und wir haben immer Reserven für
solche Gelegenheiten dabei...
Am nächsten Morgen geht‘s mit einem Moped nach Tallinn rein - eigentlich
wollten wir den Bus nehmen, aber standen eine viertel Stunde vergeblich
an der Strasse.
Tallin, die Hauptstadt Estlands ist mit 396.000 Einwohnern das
wirtschaftliche und kulturelle Herz der baltischen Republik. Der Name
Tallinn leitet sich ab von „Taani Iinn“, „dänische Stadt“ und erinnert
daran, dass die Stadt einst von den Dänen erobert wurde. Die Hansestadt
Tallinn (zu Deutsch Reval) liegt am Finnischen Meerbusen und zählt zu
den schönsten Städten Nordeuropas. Die UNESCO erklärte die Altstadt, die
aus Unterstadt und Domberg besteht und von einer mächtigen Stadtmauer
umgeben ist, zum Weltkulturerbe.
Tallinn begeistert uns von Anfang an - noch nirgends haben wir uns so
ins Mittelalter zurück versetzt gefühlt wie hier! Alte Gassen, die
unzähligen Stadttürme, Gildehäuser und nicht zuletzt das
mittelalterliche Mahl im Restaurant „Olde Hansa“ - eine total klasse
Stadt!
Abends, zurück im Hotel, checken wir Emails. Tommy freut sich über Post
von seinem ehemaligen Chef - es sieht so aus, als ob er wieder seinen
alten Job bekäme! So haben wir also beide wieder die gleichen
Arbeitgeber wie vor der Reise - eine große Last fällt von uns ab... Auch
die Frage, wo wir die erste Zeit in der Heimat unterkommen bis wir eine
Wohnung gefunden, ist geklärt - Tommy‘s Bruder Manni hält uns ein Zimmer
im
Hirschen frei - alternativ könnten wir auch zu
Alex und Carsten nach
Freiburg ziehen! Unsere Gedanken schweifen nun häufig in die Heimat -
noch etwa zwei Wochen unterwegs, dann sind wir wieder zuhause in
Deutschland! Einerseits freuen wir uns auf unsere Familie, andererseits
haben wir Angst vor dem tiefen Loch, das uns sicherlich die erste Zeit
erwartet.
Insel Saaremaa
Per Email haben wir uns mit Pat und Pit verabredet, die beiden
Wohnmobil- Langzeitreisenden, die wir neulich kennen gelernt haben.
Eigentlich wollten sie schon wieder weiter, aber sie verlängern ihren
Aufenthalt auf dem schönen Campingplatz bei Salme auf der Insel Sarremaa
und versprechen was Leckeres für uns zu kochen. Das hört sich super an,
und wir freuen uns auf einen gemütlichen Abend mit den beiden. Der Weg
zur Insel ist schön und abwechslungsreich, immer wieder halten wir für
Fotos - mal ist‘s ein ehemaliges Schloss, das heute als Schule genutzt
wird, dann wieder eine alte Klosterruine. Obwohl gleich drei Fähren am
Hafen liegen, dauert‘s lange bis die kurze Überfahrt zur Insel startet -
das Ent- und Beladen wird hier recht gemütlich und unkoordiniert
angegangen. Die 201 Quadratkilometer große Muhu- Insel durchqueren wir
zügig, denn wir sind durch die Wartezeiten am Fährhafen spät dran und
kommen über eine Damm- Brücke auf die Insel Saaremaa. Sie ist mit 2673
Quadratkilometer die größte Insel Estlands, wo man 35 verschiedene
Orchideenarten vorfinden kann und deren Landschaft von Wacholder, Wälder
und Mooren geprägt ist. Die Küste ist abwechslungsreich - es gibt
Klippen, Steilküsten, Schilf und Dünen. Unser kurzer Besuch auf der
Insel gilt aber Pat und Pit, die uns herzlich empfangen mit Sekt, Wein
und einem schmackhaften Essen aus dem Wok! Es gibt viel zu erzählen -
Gleichgesinnte unter sich - und als wir spät in der Nacht ins Zelt
kriechen, erleben wir zum ersten Mal, dass ein Campingplatzbesitzer von
sich aus für Ruhe auf dem Platz sorgt, damit wir schlafen können!
Auch zum Frühstück sind wir bei Pat und Pit eingeladen. Zeitig stehen
wir auf und packen eilig unseren Kram zusammen, damit wir früh unterwegs
sein können, denn eine lange Tagesetappe steht uns bevor - wir wollen
noch heute nach Riga! Beim Abschied verabreden wir uns auf Irgendwann
und Irgendwo - klar ist aber, dass wir uns wiedersehen wollen, denn wir
verstehen uns mit Pat und Pit bestens.
Auf einer Staubpiste am Meer entlang geht‘s wieder Richtung Fähre.
Einmal halten wir, um die seltenen Bockwindmühlen zu besuchen, ein
anderes Mal um ein hastiges Vesper am Straßenrand einzunehmen.
Riga, Lettland
Auch Rigas Altstadt gehört seit 1997 zum UNESCO- Weltkulturerbe. Die
Hauptstadt Lettlands hat 900.000 Einwohner und ist damit die größte
Stadt des Baltikums. Die Stadt ist berühmt für seine Fülle an
Architekturdenkmälern - wir sind also gespannt!
Die Strecke nach Riga ist total langweilig - es geht immer geradeaus.
Wir haben eine Streckenbeschreibung zum Campingplatz in Riga von Pat und
Pit bekommen und quälen uns langsam durch den nervigen
Feierabendverkehr. Der Campingplatz ist von der Altstadt Rigas nur 2 km
entfernt und liegt trotzdem absolut ruhig. Allerdings ist er mit 15,-
Euro die Nacht nicht gerade ein Schnäppchen und außerdem überbevölkert
von deutschen Wohnmobilisten, und wir sind mal wieder froh um unsere
Abdeckplanen, die wir über unsere auffälligen Motorräder stülpen und uns
die deutschen Touristen „vom Hals“ halten.
Abends machen wir nach einer Tütensuppe und Tee einen Spaziergang in die
Altstadt von Riga. Irgendwie scheint die Stadt aber nicht so viel Flair
haben wir die anderen Hauptstädte, oder vielleicht sind wir nach so
vielen Stadtbesichtigungen der letzten Zeit einfach übersättigt. Die
Stadt muss reich sein: Die Menschen sind auffallend gut gekleidet und
innerhalb zehn Minuten rauschen sieben Porsche Cayenne an uns vorbei!
Aber es gibt auch das krasse Gegenteil. Auf dem Zentralmarkt, der in
fünf riesigen Hallen untergebracht ist, die aus dem Ersten Weltkrieg
stammen (die Deutschen wollten hier eigentlich Zeppeline bauen),
begegnen uns viele Menschen, denen die Armut leicht anzusehen ist: Die
Kleidung zerrissen, die Gesichter vom übermäßigen Alkoholgenuss
gezeichnet, können sich manche kaum auf den Beinen halten. Erschreckend
ist die Gleichgültigkeit der Leute. Keines Blickes gewürdigt werden zwei
Obdachlose, die wie tot auf den Treppen einer Unterführung liegen. Kurze
Zeit später fällt eine kleine alte Frau mitten auf der Strasse um und
kommt alleine nicht mehr hoch - um sie herum ihr Hab und Gut verstreut,
dass sie in Plastiktüten bei sich hat. Niemand hilft der armen Alten
auf, die Autofahrer kurven ungerührt um sie herum. Erst als wir auf die
Strasse rennen, um der Landstreicherin aufzuhelfen, erbarmt sich auch
ein weiterer junger Mann das Omachen wieder auf die Beine zu
bekommen....
Auf dem Campingplatz lernen wir einen weiteren Motorradreisenden kennen:
Karl- Heinz aus Düsseldorf ist 74 Jahre alt und mit einer fett bepackten
BMW R 1200 GS unterwegs im Baltikum und dem westlichen Teil Russlands.
Trotz hoffnungslosem Übergepäck kommt er kaum mit beiden Füssen auf den
Boden, und das Rangieren der schweren Maschine bereitet ihm deshalb
Schwierigkeiten. Trotzdem entfernt er allabendlich das gesamte Gepäck
inklusive Koffer, um mit der leichteren Maschine noch eine Runde zu
drehen, um Essen oder Einkaufen zu gehen - zu Fuß ist er nämlich nicht
gut unterwegs... Weil er immer alles ein- und auspackt, was er dabei
hat, braucht er etwa jeweils drei, vier Stunden zum Auspacken und
Zeltaufbauen bzw. wieder zusammenpacken! Wir müssen schmunzeln aber
Karl- Heinz hat unseren ganzen Respekt - nicht jeder hat die Courage in
diesem Alter solch ein Abenteuer anzugehen!
Das Zusammenpacken bei uns am nächsten Morgen zieht sich hin - Karl-
Heinz löchert uns mit Fragen, die Wohnmobilisten werden neugierig und es
dauert bis 11.00 Uhr, bis wir endlich abfahrbereit sind.
Augustow, Polen
Seit Tallinn sind wir nun auf dem endgültigen Heimweg und das wird uns
immer mehr bewusst. Wir wollen keine Stadt mehr besichtigen, wir haben
keine Muse mehr, irgendwo länger zu bleiben - wir wollen nachhause!
Eigentlich wollten wir irgendwo in Litauen übernachten, aber wir fahren
doch noch über die Grenze nach Polen. Dort finden wir ein tolles
schmales Sträßchen mit vielen Kurven, das uns zur Landstrasse Nr. 16
bringt, die wir von der Herreise schon kennen. Dort wissen wir einige
Campingplätze und finden einen ruhigen und schönen Zeltplatz.
Chynow
Der Tag beginnt früh, denn die Sonne heizt das Zelt gnadenlos auf.
Unterwegs lassen uns dunkle Wolken an einer Tankstelle Halt machen -
gerade rechtzeitig, bevor der Himmel seine Schleusen öffnet. Keine
Chance weiterzufahren, wir warten ab, bis sich das Gewitter verzogen hat
und fahren dann in kompletter Regenmontur den Rest des Tages im
Dauerregen. Zelten hat da keinen Sinn, und wir nehmen das erstbeste
Hotel - 35,- Euro ohne Frühstück - nun am Ende der Reise und mit
überschaubarem Restbudget gibt‘s nicht viel zu überlegen - wir wollen
eine trockene Nacht!
Bei Magoscha und Wojtek
Auf dem Weg zu
Magoscha und Wojtek am nächsten Tag begegnen wir den
unterschiedlichsten Leuten: Bei unserer Mittagspause auf einer Bank im
Stadtpark einer kleinen Stadt lässt uns ein Betrunkener einfach nicht in
Ruhe, als wir nach dem Weg fragen, will der Mann einen Euro für seine
Auskunft. Dafür entschädigen uns vier nette junge Mädchen, die kichernd
um Tommy und unsere Motorräder streifen, als Rosa beim Einkaufen ist -
sie stellen viele Fragen über unsere Reise und freuen sich mit und über
uns.
Dann das Wiedersehen mit Magoscha und Wojtek, die wir vor zwei Jahren in
Russland trafen und mit denen wir einige schöne Tage auf der Insel
Olchon verbrachten. Die beiden waren damals auf einer Weltreise und
übermorgen starten sie schon wieder zu einer großen Tour durch Sibirien
und die Mongolei. Obwohl sie voll im Vorbereitungsstress sind, haben sie
uns eingeladen bei sich die nächsten zwei Tage zu verbringen. Abends
wird gegrillt, am nächsten Tag lassen wir die beiden bei ihren
Vorbereitungen alleine und besuchen einen der schlimmsten Ort der
deutschen Geschichte - Auschwitz.
Auschwitz (Oswiecim) und Birkenau
Der Besuch von Auschwitz ist ein schwerverdaulicher Brocken. Das Tor,
durch das die Häftlinge täglich zur Zwangsarbeit zogen mit dem zynischen
Spruch „Arbeit macht frei“ ist wohl den meisten bekannt. Wir sehen die
Wand, wo Häftlinge erschossen wurden, den Galgen auf dem Appellplatz,
das Krematorium, wo die Leichen verbrannt wurden. In den ehemaligen
Baracken werden Plakate, Schriftstücke, Fotos auf denen unvorstellbar
abgemagerte Menschen, Unmengen übereinander geworfene Leichen,
tonnenweise Schuhe, Kleidung und abgeschnittene Haare zu sehen sind. Die
Haare der Toten wurden für 50 Pfennig das Kilo an Textilfabriken
verkauft - die fertigten daraus Stoffe! Unfassbar, und unglaublich, dass
es immer noch Menschen auf dieser Welt gibt, die den Holocaust leugnen.
Die sollten gezwungen werden, Auschwitz zu besuchen, denn dort gibt es
mehr als genügend Beweise!
Das Bild von der Außenstelle von Auschwitz, Birkenau, hat wohl jeder
schon einmal gesehen - es gibt eine lange Eisenbahnschiene, die durch
das Tor des Lagers führt. Am Ende der Schienen wurde über Leben und Tod
der Menschen, die wie Vieh hier hergekarrt wurden, entschieden. Wer nach
den tagelangen Torturen der Bahnfahrt ohne genug Nahrung und Wasser noch
arbeitsfähig aussah, hatte „Glück“ und „durfte“ als Zwangsarbeiter leben
bleiben. Die anderen wurden in die Gaskammer geschickt... Ein Mahnmal
neben den von den Nazis aus Verschleierungsgründen gesprengten
Gaskammern und Krematorien gedenkt dem unfassbaren Leid der Opfer, mit
grünen Algen bedeckt ist der Löschteich, in dem die Asche tausender
umgebrachter Juden geschüttet wurde. Gedrückter Stimmung kehren wir nach
diesem Tag zu Magoscha und Wojtek zurück und erzählen den beiden von
unseren Eindrücken.
Abends zeigen wir Bilder von unserer gemeinsamen Zeit in Russland,
Magoscha kocht leckere Pirogi. Dann verabschieden die zwei sich, um ihre
Eltern einen Abschiedsbesuch abzustatten, denn morgen früh starten sie
ihre Reise nach Osten. Wir packen schon mal für morgen vor. Dann geht´s
wieder ein Stück weiter in Richtung Heimat.
Durch die Slowakei und Tschechien
Wojtek gibt uns noch eine alte Karte mit, in die er die schönsten
Strecken eingezeichnet hat. Es geht vorbei an Burgruinen,
Franziskanerkloster, schönen alten Holzhäusern und über Bergstrassen auf
über 1000 Höhenmeter. Wann waren wir das letzte Mal so weit über´m
Meeresspiegel? Das muss in Südamerika gewesen sein! Aber auch hier in
der Slowakei finden wir´s total klasse, fahren durch leuchtendrote
Mohnblumenfelder und freuen uns über unverbaute Landschaften und
zahllose Kurven. Die haben uns wirklich gefehlt und endlich macht das
Motorradfahren mal wieder so richtig Spaß!
Tommy bemerkt rasselnde Geräusche an seinem Moped. Wird das auf den
letzten Metern etwa noch schlapp machen wollen? Wir hoffen´s mal nicht!
Abends ist wieder Hotel angesagt, ein Wolkenbruch über unseren Köpfen
hilft da bei der Entscheidung Zelt oder Bett. Die Küche bleibt ebenfalls
kalt, wir lassen uns Schnitzel mit Pommes schmecken! Es gibt Internet im
Hotel, und wir schreiben Emails an Verwandte und Freunde mit dem Datum
unserer voraussichtlichen Heimkehr!
Erneut suchen wir nach einem schönen Fahrtag ein Hotel auf, denn wie
gestern überrascht uns ein heftiges Nachmittagsgewitter. Wir lassen es
uns gut gehen bei leckerem Essen. Hier in Tschechien schmeckt´s fast wie
daheim... Immer wieder schaut Tommy nach seiner Dakar, das Quietschen
und Rasseln nimmt zu, er vermutet ein defektes Radlager. Wir haben
Ersatz im Gepäck, aber so kurz vor daheim wollen wir nicht unbedingt
einen Schraubertag einlegen...
Wieder in Deutschland
Mit einem fetten Kloß im Hals halten wir an der Grenze zu Deutschland -
wir denken an unseren Abfahrtstag vor 27 Monaten und daran, dass unsere
Weltreise nun bald Vergangenheit sein wird...
Der Zöllner registriert mit einem Blick auf die Nummernschilder unsere
schon eine Weile abgelaufenen TÜV- Stempel. “Ihr ward wohl ´ne Weile
unterwegs, müsst mal wieder zum TÜV, gell!” und lässt uns ziehen.
Tommy´s erster Stop gilt einer Bäckerei, um die heißersehnte
Laugenbrezel zu kaufen.
Besuche auf der Heimreise
Bernd empfängt uns herzlich in seiner neuen Heimat. Ihn hatten wir in
Neuseeland kennen gelernt und waren seither in regelmäßigem Email-
Kontakt. Er hat extra ´ne Kiste Tannenzäpfle, unser Lieblingsbier aus
der Heimat, eingekauft und was Leckeres gekocht. Wir schwelgen in
Erinnerungen, und wir lauschen gespannt seinem Bericht, wie es ist nach
einer Langzeitreise heimzukommen... Zwei Nächte bleiben wir bei Bernd,
bevor´s nur 30 km weiter geht zu unserem nächsten Stop - Kißlegg. Dort
wohnen die Eltern von Alex und Gerda, die in Neuseeland leben. Wir
verbrachten viel Zeit mit Gerda und Alex: Bei einer Motorradtour zu einem BMW-
Club- Treffen auf der Südinsel, genossen ihre Gastfreundschaft in
Auckland und waren dankbar für die Hilfe bei der Verschiffung der
Motorräder... Wichtige Dokumente liegen nun bei Alex´ Eltern - die
Carnet de Passage, die Zolldokumente für die Mopeds sind jeweils 1200,-
Euro wert. Das ist die Höhe der Kaution, die wir hinterlegen mussten.
Wir waren damals vor unseren Motorrädern ausgereist, deshalb konnten wir
die Dokumente nicht mitnehmen und Alex´ Eltern nahmen sie bei einem
Besuch in Neuseeland für uns mit.
Die beiden sind supernett, und wir werden mal wieder verwöhnt. Schön,
dass es auch in Deutschland solch eine Gastfreundschaft gibt!
Dann geht´s zu Rosa´s Familie nach Villingen- Schwenningen. Die
Wiedersehensfreude ist natürlich groß, und es gibt viel zu erzählen!
Die letzten beiden Nächte verbringen wir in Freiburg bei Alex und
Carsten (das sind die beiden, die wir unterwegs mehrmals getroffen
hatten), nur 10 km von unserer Heimat Denzlingen entfernt! Diese kleine
“Auszeit” vor unserer Rückkehr ist uns wichtig, niemand aus Denzlingen
weiß, dass wir hier sind. Wir schlendern durch das vertraute Freiburg,
das aber plötzlich gar nicht mehr so vertraut erscheint. Wir bemerken
jetzt schon, dass uns die Reise geprägt hat - wir sehen Dinge, an denen
wir früher achtlos vorbeigegangen sind...
Am Ortsschild von Denzlingen hält Tommy an “Noch können wir wieder Gas
geben und wieder abhauen”. Wir aber fahren zu unserer Stammkneipe auf einen
Willkommens- Sekt.
Die Reise ist zu Ende, Wehmut und Traurigkeit mischt sich mit der Freude,
Familie und Freunde wiederzusehen...
Wieder zuhause
Aus ein paar Tage werden zwei Wochen, die wir bei Tommy´s Bruder Manni
und Schwägerin Christina im Hirschen verbringen. Wir werden verwöhnt von
der Familie, alle freuen sich, dass wir wieder da sind.
Wir finden eine tolle Wohnung in Schallstadt, nicht weit weg von unserer
alten Heimat Denzlingen, mit Garage für die Mopeds und das Auto, das
Tommy inzwischen gekauft hat. Das Mietshaus ist ein Neubau, und unsere
nette Vermieterin erlaubt uns, noch vor dem 1. einzuziehen. Dass noch
kein Strom da ist, stört uns dabei wenig...
Wir haben nach unserer Rückkehr sofort wieder Arbeit bekommen, und eine
tolle Wohnung gefunden - man kann sagen, wir hatten wirklich Glück mit
unserem Neuanfang und dürfen zufrieden sein. Aber nichts ist so wie es
vorher war. Ob wir uns verändert haben, können wir selbst nicht
beurteilen, aber geprägt hat uns die Zeit auf jeden Fall! Das gemeinsame
Reisen hat uns beide zusammengeschweißt. Und wir hatten das besondere
Glück, einen Teil unserer Erde mit eigenen Augen zu sehen, und wir haben
Freunde in aller Welt gefunden.
Noch ist der Alltag spannend, wir freuen uns über kleine
Selbstverständlichkeiten wie eine heiße Dusche und eine ruhige Nacht.
Aber bestimmte Dinge im Alltagsleben und in Deutschland gehen uns
ziemlich auf die Nerven und die Sehnsucht nach dem Reisen ist recht
ausgeprägt. Diese Sehnsucht wird reichlich genährt von
Reisebekanntschaften, die bei uns vorbeischauen, um uns von ihren neuen
Reiseplänen zu berichten. Pit und Pat halten auf ihrem Weg ins
Winterquartier in Sizilien bei uns, Bernd erzählt bei seinem Besuch,
dass er vielleicht nach Neuseeland auswandern will, und Wolfgang kommt
kurz vor seinem Flug nach Südamerika bei uns vorbei...
In nächster Zeit gibt es für uns keine Möglichkeit zu reisen. Das letzte
Geld ging für die Wohnungseinrichtung drauf, und unsere Arbeitgeber
würden sich bedanken, wenn wir uns schon wieder verabschieden würden.
Was die ferne Zukunft uns bringen wird, ist offen. Ob wir jemals wieder
so eine große Reise machen werden, ist fraglich und eher
unwahrscheinlich (höchstens, wir gewinnen im Lotto). Aber dass wir eines
Tages wieder auf Reisen gehen werden, ist ziemlich sicher!
“Wenn man mit Flügeln geboren wird, sollte man alles tun, sie zum
Fliegen zu nutzen.” Das sagte einst Florence Nightingale und dieser
Spruch stand auf einer Postkarte, die uns ein lieber Mensch sendete.
“Nach der Reise ist vor der Reise, nichts ist unmöglich, und Pläne sind
zum schmieden da” - das sind nun unsere Mottos... |