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2. - 13. Januar 2007
Gefahrene Kilometer: 2750 km in Chile/ 730 km in Argentinien Strecke:
# 5, 1, 41, 150, 40, 60, 5 Arica (Chile), Iquique, Antofagasta,
Copiapo, La Serena, Vinuca, San Jose de Jachtal (Argentinien),
Mendoza, Valparaiso (Chile), Casablanca, San Antonio, San
Fernando, Talca
Grenze Bolivien - Chile
Am Grenzposten der Bolivianer geht’s schnell: Einfuhrdokument
der Mopeds abgeben und Stempel in Pass. Der Grenzposten zu Chile
liegt fünf Kilometer weiter - auf über 4600 m Höhe. Hier geht’s
sehr geordnet zu - die Büros sind alle in einem Gebäude und
durchnumeriert, so dass man weiß, in welcher Reihenfolge man sie
besuchen muss - clever, so sollte es immer sein... Das Besondere
an der Einreise nach Chile ist, dass hier das Gepäck
kontrolliert wird - man darf keine pflanzlichen oder tierische
Produkte einführen. In anderen Ländern ebenfalls, aber dort
hat’s nie jemand interessiert. Wir sind ganz froh, dass
ausgerechnet der “Küchenkoffer” nicht angeschaut wird - wäre
schade, die Pfirsiche und Avocados abgeben zu müssen... Während
die Einfuhrdokumente in Rekordzeit und dementsprechend
unleserlich von einer netten Zöllnerin ausgestellt werden, tobt
draußen ein Hagelsturm, der aber rechtzeitig aufhört, als wir
weiterfahren. Gleich nach der Grenze ein Postkartenbild, leider
bei schlechtem Wetter: Ein schneebedeckter Vulkan im
Hintergrund, ein glasklarer See davor, mit unzähligen
Flamingos...
Arica
Noch am gleichen Tag fahren wir bis zur chilenischen Küste hinunter -
anfangs die schönen Berge der Anden, später wieder die typische Stein-
und Sandwüste. In Arica sind wir gerade auf dem Weg zu dem Hotel,
welches wir aus dem Reiseführer ausgesucht hatten, als Rosa ein
Residencial entdeckt. Ein Residencial ist eine Art Pension und meist
deutlich billiger als ein Hotel. Leider war es keine gute Idee hier
abzusteigen. Unser Zimmer liegt direkt neben dem Eingang - die ganze
Nacht schellt die Türklingel, die Tür wird nicht gerade sanft
geschlossen und das Palaver über Zimmerpreise etc. findet genau vor
unserem Zimmer statt - wir sind in einem bestens florierenden
Stunden”hotel” gelandet. Total gerädert stehen wir früh auf, nehmen
ebenfalls keine Rücksicht, und verhalten uns nicht gerade leise, was
aber niemand stört - in Zentral- und Südamerika geht’s überall ziemlich
laut zu - Lärm scheint sogar was Positives zu sein - wo’s laut ist,
ist’s lustig, da brummt das Leben... Iquique
Werner, unser Weggefährte für ein paar Tage durch Eucador und Peru,
ist für ein paar Wochen in Iquique bei seiner Freundin Mireya, wir
besuchen die beiden für zwei Tage. Die Strecke dorthin führt durch die
übliche Steinwüste, Iquique liegt direkt an der Küste, man sieht die
Stadt schon von weit oben, bevor man eine riesige versteinerte Düne in
Kehren hinunterfährt. Kurz bevor wir anhalten, müssen wir die
Zusatztanks zuschalten - der Haupttank mit 17 Litern hat 515 km
gereicht!
Mireya wohnt in einem kleinen hübschen Häusschen mit Park vor der Tür -
wir dürfen im Innenhof auf dem Boden schlafen. Tommy hat hier endlich
Gelegenheit nach Rosa’s Motorrad zu schauen, das seit der Schlammpiste
nach Huanta komische Geräusche macht. Er findet die Ursache: Das
Kettenschloss hat sich ein bisschen gelöst, die Dichtgummis sind kaputt.
Glücklicherweise haben wir Ersatz... Die Kupplung geht seit einiger Zeit
ziemlich schwer, es ist allerdings nur der Kupplungszug, der durch ein
paar gelöster Drahtfasern im Kabel schwer läuft. Wir hatten schon
befürchtet, dass die Kupplungslamellen abgenutzt seien....
Rosa kauft sich eine kleine Digitalkamera in der Freihandelszone und
schickt die große Spiegelreflexkamera endlich nachhause - zum Einen ist
sie zu sperrig, zum Anderen zu groß und auffällig, als dass wir sie oft
benutzen können. Außerdem macht Tommy’s kleine Kamera schon immer die
besseren Bilder..
Wir gehen abends zwei Mal ins gleiche Lokal zum Essen - das Restaurant
ist im zweiten Stock des Mercados (Markt), der Fisch, den’s dort gibt,
schmeckt genial und ist spottbillig. Und auch der chilenische Rotwein
hat’s uns angetan...
Rosa’s Durchfall wird einfach nicht besser, trotz Unmengen von
Kohletabletten. Mireya ruft bei ihrem Hausarzt an, der sagt, wir sollen
in die Apotheke und Antibiotika kaufen. Ohne Rezept? Wenn wir das
gewusst hätten, wären wir schon längst mal in eine Apotheke... Das
Medikament wirkt - noch eine Sorge weniger!! Antofagasta
Dann verabschieden wir uns von den beiden - wir müssen weiter. Wir
decken uns noch in dem kleinen Geschäft gegenüber mit leckeren Brötchen
und Salami ein, tanken 93 Oktan (in Peru und Bolivien gab’s fast nur 84
Oktan, hier ist 93 das niedrigste) für 0,80 Eurocent der Liter. Wir
fahren nicht zurück auf die Panamericana, sondern nehmen das schönere
Küstensträßchen nach Antofagasta. An einer Tankstelle werden wir von
einem hilfsbereiten Chilenen angesprochen - er beschreibt uns den Weg
zum Hotel, das wir aus dem Reiseführer gepickt haben. Wir sprechen ein
älteres Pärchen an, ihr Landcruiser hat eine Esslinger Nummer. Wir
unterhalten uns nur kurz, uns wird’s zu warm in unseren
Motorradklamotten. Mal wieder beschleicht uns ein leichtes Neidgefühl -
manchmal wünschen wir uns auch, im Auto unterwegs zu sein - das Reisen
wäre bequemer und einfacher. Der Spaßfaktor beim Fahren und mehr
Kontakte zur Bevölkerung sprechen allerdings eindeutig für’s
Motorradreisen...
Die Hotelpreise in Chile sind nicht gerade ein Schnäppchen im Vergleich
zu Peru oder Bolivien - wir bezahlen 20,- Euro für die Nacht. Der
Standard ist allgemein viel höher, das merkt man an den Autos (kaum noch
schwarzer Russ spuckende alte Stinkmorcheln), weniger vermüllte
Landschaft, prächtigere Gebäude, und die Preise sind deutlich höher. Außerdem
spuckt der Geldautomat endlich mal wieder ordentliche Geldbeträge aus -
das Maximum ist hier umgerechnet 500,- Euro. Wir schlendern ein bisschen
durch das Zentrum, lassen uns frischgepressten Saft im Straßencafe
schmecken, bevor wir die restlichen Salamibrötchen auf dem Hotelzimmer
verzehren. Dazu lassen wir uns eine Flasche süffigen Pisco Sour
schmecken, das Nationalgetränk der Chilenen, das aus einem süßen Mix von
Traubenschnaps und Zitronensaft besteht. Atacama- Wüste
Obwohl wir mal wieder durch kahle Wüstenlandschaft brausen, ist’s heute
nicht langweilig: wir durchqueren die Atacama- Wüste, die trockenste
Wüste der Welt. Hier wurde an einigen Stellen seit Beginn der
Niederschlagsmessungen noch nie Regen verzeichnet, an anderen Stellen
liegen die Niederschläge bei 20 mm pro Jahr (Deutschland erhält
durchschnittlich 750 mm). Für uns ist die Atacama genauso trocken und
karg wie die Wüstenlandschaft, die wir bisher durchquert haben, aber
irgendwie schimmern die Berge hier farbenfroher durch die Minerale, die
sie enthalten. Nicht umsonst reiht sich in diesem Gebiet eine
Mine an die andere! Diese sind von der Strasse allerdings nicht zu sehen,
wir biegen auch nicht ab. Dafür halten wir am obligatorischen Fotostopp
- die Hand der Wüste, ein Kunstwerk aus Stein, ragt hier in den Himmel. Wir nähern uns der Küste,
hie und da wachsen Büsche und Kakteen, es wird wieder etwas grüner.
In Copiapo kommen wir in einem Residencial unter, das für chilenische
Städte typische Einbahn- System macht es nicht gerade einfach, die
Adresse zu finden. Das Städtchen gefällt uns ganz gut, wir setzen uns
für eine Weile in den Stadtpark, erfreuen uns am Grün der Bäume und
beobachten die Schachspieler, die ihre Tische mitten auf dem Weg
aufgebaut haben. Haben wir durch den Fahrtwind die Hitze gar nicht so
gespürt, merken wir sie hier in Copiapo um so mehr - in der Sonne ist‘s
kaum auszuhalten! Wir beschließen daher, morgen sehr früh aufzustehen.
Dann kochen wir Suppe unterm Weinlaub beschatteten Innenhof unseres
Residencials und schlürfen genüsslich chilenischen Rotwein aus dem
Tetrapack. Vicuna
Wie geplant, geht’s früh los, durch Halbwüste, dann ein kurzes Stück an
der Küste entlang zum beliebten Badeort La Serena. Wir halten uns dort
nicht auf, aber das was wir beim Durchfahren sehen, ist ansprechend. Das
muss eine schöne Stadt sein. Unser Ziel ist Vicuna im Tal “Valle de
Elqui”. Das Tal ist fruchtbar und grün, hier wird vor allem Wein und
Papaya angebaut. Vicuna ist eine hübsche, ruhige Kleinstadt, sie ist
berühmt für den Traubenschnaps Pisco, der hier seinen Ursprung hat. Und
die Literatur- Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral wurde hier geboren.
Wir landen in einem sehr netten Hotel mit Familienanschluss, die
Besitzer sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch eine Deutsche wohnt
zur Zeit hier, Linda lebt mit ihrem Mann im Süden Chiles, aber sie hat
die Schnauze voll von den langen, kalten und regenreichen Winter da
unten. Sie und ihr chilenischer Mann wollen sich hier im gemäßigteren
Klima niederlassen.
Wir fragen Ricardo, unseren Wirt, nach dem Zustand der Strasse über den
Pass Paso Agua Negra, die wir morgen unter die Räder nehmen wollen. Er
weiß, dass erst neulich ein Erdrutsch die Strasse unpassierbar machte,
und ruft sicherheitshalber bei der Polizei an - die geben grünes Licht,
die Strasse ist geräumt!
Wir wollen uns noch mit Reiseproviant eindecken, aber heute ist Sonntag
und die Supermärkte haben geschlossen! Upps, gut zu wissen... Leider
haben auch die Pisco- Produzenten Sonntags zu. Sie bieten kostenlose
Führungen durch die Firmen inklusiv einem Probierschnäpschen!
Paso
Agua Negra/ Von Chile nach Argentinien
Morgens halten wir noch kurz an einer Bäckerei, praktischerweise
verkaufen sie hier neben frischen Brötchen auch Käse und Wurst. Dann
geht’s stetig aufwärts in Kurven entlang des Flusses Rio Elqui, zunächst
auf geteerter Strasse, dann auf staubiger Schotterpiste. Die Piste ist
meist in einem guten Zustand, ab und zu wird der Untergrund felsig und
damit holprig, an zwei, drei kurzen Stellen geht’s nur im Schritt-Tempo
durch tiefes Geröll. Das Wetter könnte nicht besser sein, die
Landschaft ist einfach atemberaubend! Im Tal entlang des Flusses
ist’s grün, die Berge trocken und kahl, sie leuchten in allen
erdenklichen Farben, von ocker über rostrot bis violett!
Der chilenische Zoll befindet sich noch weit vor der eigentlichen Grenze,
die sich genau auf Passhöhe befindet. Hier geht’s ruhig zu, nicht viele
nehmen diese langsame, staubige Route, um nach Argentinien zu kommen. Es
geht schnell, zehn Minuten braucht’s für die Stempel in Pass, die
Einfuhrdokumente abgeben und den Eintrag in das dicke Buch der
Carabinieris.
Die Strasse schraubt sich immer höher, meterhohe Schneefelder säumen die
Strasse, teilweise ist der Schnee vom Wind geformt - wie spitze Nadeln
ragen die Schneereste in den Himmel.
Wir erreichen die Passhöhe, hier oben auf fast 4700 m weht ein scharfer
Wind, wir halten uns nicht lange auf, sondern holpern die kurvige Piste
hinunter ins Tal. An einem Polizeiposten werden die Daten der Motorräder
wieder in ein Buch eingetragen, wir fragen nach dem argentinischen Zoll.
Auch die Argentinier haben ihren Grenzposten weiter unten, nahe dem
Städtchen Las Flores. Ab dem Polizeiposten ist die Strasse wieder
geteert. Am Zoll geht’s entspannt zu, ein Formular, das wir selbst
ausfüllen, dient als Einfuhrdokument für die Mopeds, der obligatorische
Stempel kommt in den Pass, nach einer halben Stunde sind wir in
Argentinien! San Jose de Jachal
Durch mondähnliche Landschaft mit grauen schroffen Felsen geht’s in
engen Kurven nach San Jose de Jachal. Wir fragen uns durch zum Zentrum
- normalerweise ist die Beschilderung in Chile und Argentinien ziemlich
gut, hier fehlt aber das Hinweisschild in die Innenstadt. Es ist brütend
heiß hier unten, auf dem Plaza nichts los, die Geschäfte sind alle
geschlossen: Von etwa 12.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr herrscht Siesta,
verständlich bei der Hitze. Wir kochen in unseren Klamotten, wir hatten
heute morgen vorsorglich die Thermo- Innenhose in unsere RUKKA-
Motorradhose eingezippt - unnötig in den Bergen, wie wir jetzt im
Nachhinein wissen, schier unerträglich unten im Tal.
Wir ziehen Geld vom Geldautomaten - auch hier gibt’s umgerechnet 500,-
Euro. Pedro, ein netter Junge spricht uns auf Englisch an, er bewundert
unsere Motorräder und fragt, ob er uns irgendwie helfen kann. Wir fragen
nach einem Hotel, er weiß gleich drei und bietet an, sie uns zu zeigen.
Das erste ist gleich um die Ecke, die Zimmer sauber, inklusiv Frühstück
und Parkplatz. Pedro besteht drauf, dass wir uns auch die anderen Hotels
anschauen. Das eine ist ein sogenanntes Apart Hotel, das ist ein
Appartement mit Wohnzimmer und Küche. Das wäre wohl die beste Wahl, aber
der Preis ist mit 25,- Euro um einiges höher, also entscheiden wir
uns, nachdem wir auch noch das dritte Hotel besichtigt haben, für das
erste.
Wir wollen uns ein großes argentinisches Rindersteak zu Gemüte führen,
schon lange träumen wir davon... Fleischgeschäfte finden wir zuhauf,
aber die wenigen Restaurants, die es gibt, sind alle geschlossen.
Irritiert fragen wir nach: Restaurants machen erst um 21.00 Uhr auf...!
Also hungern wir noch eine Weile. Wieder sind wir irritiert, als es dann
heißt, es gibt keine Steaks, nur Schnitzel Mailänder Art! Was soll’s,
ein Stück Fleisch muss her... Zum Glück fragt uns die Bedienung, ob wir
einen Salat möchten, denn sonst hätten wir nur jeweils einen riesigen
Fleischlappen, bedeckt mit Tomatensauce und jeweils einer Scheibe
Schinken und Käse bekommen - keine Beilagen... Trotzdem nicht schlecht.
Mendoza
Anfangs ist die Strecke noch schön, durch ein breites, grünes Tal mit
Blick auf eine hübsche Bergkette, später wird’s langweiliger. Früh sind
wir in Mendoza, an einer Tankstelle fragen wir einen Typ nach dem
Zentrum, ein Junge mit einer kleinen Enduro gesellt sich dazu, er bietet
an, uns vorauszufahren - die Argentinier sind ein sehr hilfsbereites und
nettes Volk!
War der Verkehr bislang in Chile und Argentinien wirklich gemäßigt im
Vergleich zu Ecuador, Peru und Bolivien, herrscht hier wieder Chaos, wir
zwängen uns durch den dichten Verkehr zur Tourist- Info. Wir bedanken
uns bei dem netten Jungen mit einem Bild von uns. Er freut sich total,
springt kurz in den nächsten Souvenirladen und schenkt Tommy einen Pin mit
der argentinischen Flagge! In der Tourist- Info bekommen wir zwar einen
kostenlosen Stadtplan und eine Liste mit Unterkünften, aber außer der
Strasse und Telefonnummer steht keine weitere Information drauf. Unser
Spanisch ist für’s Telefonieren zu schlecht, also bleibt nichts anderes
übrig, als die Hostels abzuklappern. Nach dem dritten Hostel bekommen
wir heraus, dass Hostels in Mendoza eigentlich nur Dormitories,
Schlafsäle anbieten. Ein Apart- Hotel hat keine Garage und ist uns zu
teuer, das Bed und Breakfast ist ausgebucht - nach zweieinhalbstündiger
erfolgloser, nerviger und schweißtreibender Suche entscheiden wir uns zu
zelten. Die Zeltplätze liegen außerhalb der Stadt, der erste ist
überbevölkert mit betrunkenen und lauten Argentiniern, beim zweiten müssten
wir unser Zelt zwischen zwei Zeltlagern reinquetschen - mit vielleicht
30 cm Abstand... Irgendwie haben wir da keine Lust drauf! Ein letzter
Versuch gilt einer Drei- Sterne- Hosteria um die Ecke - zwar ist das
Zimmer mit 100,- Peso (25,- Euro) nicht gerade unsere Preisklasse,
trotzdem mieten wir uns für zwei Tage ein - wir brauchen eine
Ruhepause...
Wir lernen ein nettes Paar aus Buenos Aires kennen, sie ist Amerikanerin und
hilft uns herauszufinden, wo wir Ersatzteile für unsere Mopeds
herbekommen. Ricardo aus Quito hat uns per Email eine Kontaktliste für
Südamerika geschickt, darin ist auch eine Kontaktperson in Mendoza.
Monica ruft dort an, so erhalten wir die Adresse des hiesigen BMW-
Händlers. Dort bekommen wir alles, was wir brauchen: Ein Ersatz-
Kupplungszug, Bremsbeläge (die letzten waren schon nach 8000 km platt -
die vielen Pass- Strassen waren Schuld) und Ölfilter. Die Preise sind
nicht gerade ein Schnäppchen, aber wir bekommen einen kleinen Rabatt. Um
die Ecke ist ein Reifen- Händler. Wir haben die Auswahl: Die Michelin
Anakee- Hinterreifen aus Deutschland importiert kosten 212,- Euro, die
Metzeler Tourance oder Pirellis sind in Brasilien produziert und sind
mit 112,- Euro das Stück deutlich billiger. Wir nehmen den Tourance, als
wir erzählen, dass wir die schon mal hatten und mit der Laufleistung
sehr zufrieden waren, winkt der Chef ab. Die von Brasilien seien nicht
identisch und lange nicht so gut wie die deutschen - wir werden sehen...
Mendoza gefällt uns ganz gut - die breiten mit Bäumen gesäumten Alleen,
die schönen Plazas und großzügigen Parks. Eigentlich wollten wir abends
noch mal in die Stadt, aber wir können uns nicht mehr aufraffen. Tommy
wechselt an Rosa’s Motorrad die Kette - das Kettenschloss ist wieder
defekt, die Kettenglieder sind einfach schon zu ausgeleiert. Reserva Natural
Villavicencio
Nach Norden geht’s aus der Stadt Richtung dem Naturschutzgebiet
Villavicencio. Wir wählen diese Route, um wieder nach Chile zu fahren.
Nach 50 km geht die Strasse in eine Schotterpiste über. Sie schlängelt
sich in Sage und Schreibe 365 Kurven den Berg hinauf, die Hügel sind grün bewachsen, Kakteen und Büsche
blühen, wir entdecken Vicunas und sogar von Weitem einen mächtigen
Kondor, der über’m Tal schwebt. Es ist total schön hier, als wir die
Passhöhe erreichen, ist in der Ferne eine schneebedeckte Bergkette zu
sehen, davon ist der Aconcagua mit 6960 m der höchste Berg.
Grenze Argentinien - Chile
Ab Uspallata ist die Strasse wieder geteert, und wir befinden uns nun
auf einer der Hauptverbindungsstrassen zwischen Argentinien und Chile.
Hier begegnen wir zwei Radfahrern aus Brasilien, die wir zuvor schon in
Mendoza getroffen hatten. Immer wieder sehen wir bepackte Motorräder, an
einer Tankstelle lernen wir zwei Motorradfahrer kennen - ebenfalls Brasilianer,
so wie wir auf dem Weg nach Tierra del Fuego - Feuerland.
Kurze Zeit später wieder eine Horde Motorradfahrer - gleich zwei
Motorrad- Clubs, aus Brasilien - was sonst - sind auf Tour durch
Südamerika. Wir halten, großes Hallo, jeder will ein Foto mit uns haben.
Die Jungs haben sogar ein Begleitfahrzeug mit Hänger dabei, sind bestens
ausgestattet mit T- Shirts, auf denen ihre Route aufgemalt ist und
Aufklebern, mit denen sie unsere Tanks zukleistern.
Die Strecke in den Bergen ist traumhaft, leider ist viel los, besonders
die langsamen LKW’s nerven. Wir durchqueren einen Tunnel, der von den
Argentiniern und Chilenen gemeinsam gebaut wurde - inmitten des Tunnels
ist die eigentliche Grenze, der gemeinsame Grenzposten kommt kurz
danach. Bei den Argentiniern wird der Pass gestempelt, wir geben die
Einfuhrdokumente ab und müssen schon hier die Einreisekarten und
Einfuhrdokumente für Chile ausfüllen. Die Grenze liegt auf 3800 m, ein
starker Wind macht uns zu schaffen und weht unsere Papiere fort. Rosa
hechtet hinterher, kugelt einen Abhang hinunter. Leicht genervt, nachdem
wir bei den Chilenen am nächsten Wärterhäusschen eine Straßengebühr
entrichtet haben (knapp 2,- Euro), der nächste Stop, Immigration, kein
Problem. Nächster Stop: Gepäck- Kontrolle. Die jungen Schnösel wollen
tatsächlich in jeden Koffer, in jede Tasche sehen. Das bedeutet,
Reservereifen runter, Taschen abschnallen, öffnen, die Schnösel drin
rumwühlen lassen... Wir müssen uns echt zusammenreißen, dass wir nicht
drauflosschimpfen....
Dann sind wir wieder in Chile! Colmo
Unser heutiges Ziel ist der Parque Nacional La Campana, ein
Naturschutzgebiet mit einer palmenbeschatteten Oase, wo man zelten kann.
Der Park schließt offiziell um 17.00 Uhr - normalerweise. Heute wohl schon früher,
denn wir sind um 16.45 Uhr da - das Tor ist verschlossen. Toll.... Also
zurück, weiter. In Colmo mieten wir uns in einem Stundenhotel ein. Zwar
mit 30,- Euro nicht preiswert, aber wir können unsere Mopeds direkt vor
unserem kleinen Häusschen abstellen, kochen draußen und verbringen eine
wunderbar ruhige Nacht - wir sind die einzigen Gäste. Zeltlager bei
Talca
Wir haben die letzte Nacht so gut geschlafen, dass wir beide unsere
Wecker nicht hören - statt um 7.00 Uhr, wie geplant, starten wir erst um
8.00 Uhr. Wir machen heute einen Abstecher zur Küste, wir haben keine
Lust die ganze Zeit auf der #5, der Autobahn nach Süden zu fahren.
Außerdem umgehen wir so Santiago. Dorthin wollten wir ursprünglich, um
Ersatzteile und Reifen zu besorgen, aber das haben wir ja nun schon in
Mendoza erledigen können.
Wir fahren durch ein paar hübsche Küstenorte mit schönen Sandbuchten,
bevor’s wieder Inlands Richtung San Fernando geht, vorbei an Erdbeer-
und Melonenständen und auf der Weinstrasse zurück zur # 5, der Autobahn.
Kurz vor Talca ist ein Campingplatz direkt an der Autopista, die Nacht
kostet 15,- Euro. Der Platz ist schön am Fluss gelegen, hohe Pinien
bieten viel Schatten und Gelegenheit, die Hängematte aufzuhängen - wir
bleiben für zwei Nächte. Der Campingplatz füllt sich am zweiten Tag
zusehends - mehrere Gruppen Pfadfinder schlagen ihre Zeltlager auf - das
wird keine ruhige Nacht mehr.... Klick hier: Zum nächsten Reisebericht
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