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20. März - 17. April 2007
Gefahrene Kilometer (Motorrad): 300 km Strecke:
#3 Azul > Buenos Aires Gefahrene Kilometer (Bustour nach Foz
do Iguacu): ca. 2600 km

Buenos Aires - erste Eindrücke
Die Fahrt nach Buenos Aires ist unspektakulär und langweilig - die Ruta
3 geht wie immer stur geradeaus, nur der ewige Wind bringt uns in
Schräglage. Von Holger haben wir ein Hotel empfohlen bekommen, und
Nazareth hat uns ein Zimmer dort reserviert. Vom Internet haben wir uns
eine kostenlose routingfähige Karte für‘s GPS runtergeladen, die uns
problemlos zum Hotel führt. Um die Ecke gibt es mehrere Tiefgaragen,
aber erst die dritte ist gewillt, Motorräder unterzustellen - sie kommen
in‘s Schaufenster, wo sie Tag und Nacht bewacht werden.
Wir lassen es langsam angehen in Buenos Aires, denn wir haben viel Zeit
- unser Flug nach Deutschland geht erst in dreieinhalb Wochen. Den Flug
haben wir so gewählt, dass wir kurz vor der Ankunft unserer Motorräder
in Hamburg sind. Der erste Eindruck von Buenos Aires ist eher negativ.
Schon eine Weile haben wir uns nicht mehr in einer Großstadt
aufgehalten, und Lärm, Gestank, Schmutz und Hochhäuser widern uns an.
Beim Laufen gilt der Blick immer dem Boden, um nicht auf einer der
unzähligen Tretminen (Hundehaufen) auszurutschen.
Buenos Aires - Verschiffung der Motorräder
Bevor wir die Kälbchen auf die Reise nach Europa schicken, wollen wir
noch neue Vorderreifen aufziehen. Die bekommen wir in der „Avenida
Pueyrredon“, wo sich ein kleiner Motorrad- Zubehörladen an den nächsten
reiht. Das ist typisch für Buenos Aires und auch viele andere Städte in
Südamerika: In der einen Strasse beispielsweise wimmelt es nur so von
Farbengeschäften, in der nächsten gibt‘s fast nur Schreibwaren. Die
Reifen sind billig, die Auswahl gut, wir montieren sie im Schaufenster
der Tiefgarage, und der Chef ist dankbarer Abnehmer für die alten: Ein
bisschen Profil ist noch zu sehen, also sind sie noch gut für ein paar
tausend Kilometer.
Mit der Bahn fahren wir nach Olivos, einem feinen Vorort, wo auch der
argentinische Präsident sein Zuhause hat - wir wollen zum Büro von
Hamburg- Süd. Dort bekommen wir genau gesagt, wie und wo die
Zollformalitäten zu erledigen sind, und wo wir unsere Mopeds am Hafen
abgeben müssen. Zuerst müssen wir allerdings zum Notar, denn der Zoll
fordert eine Beglaubigung der Kopien von sämtlichen Seiten des
Reisepasses (selbst die, die leer sind...), vom Einfuhrdokument und vom
Flugticket. Was das wohl soll...? Nachdem wir das hinter uns gebracht
haben, geht‘s um 20,- EUR ärmer direkt zum Zoll. Wir warten geschlagene
drei Stunden darauf, dass wir dran kommen, aber als wir an der Reihe
wären, machen sie dicht. Am nächsten Morgen sind wir die ersten - wir
sind absichtlich eine Stunde vor den Öffnungszeiten da. Die Formalitäten
werden alle vom Zöllner erledigt - außer Geduld brauchen wir nichts, und
nach einer Stunde ist alles erledigt. Schon seit Tagen regnet es aus
Kübeln, aber zur richtigen Zeit hört der Regen auf, wir bringen die
Mopeds trocken ins Warehouse. Dort steht schon Kalle‘s Maschine - auch
seine KTM geht im gleichen Container nach Hamburg. Bei ihm in Hamburg
dürfen wir auch übernachten, bis wir unsere Kälbchen wieder haben -
super, das hilft uns sehr!
Buenos Aires - Begegnungen und Erlebnisse
Nun, da die Motorradverschiffung für uns erledigt ist, haben wir mehr
Zeit Buenos Aires zu erkunden und Leute zu treffen. Marianne und Karl,
das schweiz- österreichische Paar, das wir neulich kennengelernt haben,
sind ebenfalls in der Stadt, und wir verabreden uns. Gemeinsam laufen
wir stundenlang durch die Strassen, wir besuchen ein wunderschönes altes
Kaffeehaus, essen uns schon satt an Kuchen, bevor‘s in ein Restaurant
geht. Dort gibt es ein riesiges Buffet, für 3,- EUR pro Person kann man
soviel essen wie man will... Mit vollgestopften Bauch und vom Rotwein
benebelt wanken wir nach einem schönen Abend zu unserem Hotel.
Am Morgen sind wir wieder mit den beiden verabredet - zum Frühstück. In
den meisten Cafes gibt es das gleiche Angebot für wenig Geld: Ein
Milchkaffee mit drei Medialunas (kleine Croissants) und frischgepressten
Orangensaft kostet hier 5,- Pesos (ca. 1,25 EUR). Als wir ins Hotel
zurückkommen, hängt eine Nachricht für uns am Schlüsselbrett: Peter war
ebenfalls in der Posta in Azul und weiß von Holger, dem Radfahrer von
uns. Er war ein halbes Jahr mit seiner BMW F650 GS Dakar in Südamerika
unterwegs und fliegt nun zurück nach Deutschland. Nazareth aus Azul und
Holger kommen ebenfalls nach Buenos Aires, und so treffen wir uns alle
im „Untertürkheim“, einem deutschen Restaurant zu Leberkäs und
Warsteiner.
Per Pedes und Subte, das gut funktionierende U- Bahnsystem, das in 1913
das erste Mal in Betrieb genommen wurde, besuchen wir die
interessantesten Stadtviertel. Nach Recoleta gehen wir an einem Samstag
- nur am Wochenende findet der Kunsthandwerksmarkt auf dem „Plaza
Francia“ statt. Der Markt ist super, wir müssen uns zurückhalten, um
nicht zuviel Geld auszugeben, obwohl oder gerade weil die Sachen
vergleichsweise billig sind. Es gibt Lederwaren, Bilder, Schmuck und
vieles mehr - von Traditionellem über moderne Kunst bis zu Kitsch. Um
die Ecke befindet sich der alte Friedhof, wo auch Evita Peron begraben
ist. Der Friedhof ist wunderschön, die großen alten Grabhäuser sind
geschmückt mit Steinfiguren. Evitas Grab finden wir erst auf den zweiten
Blick - das Grab ist einfach und schlicht, wahrscheinlich hatte sie es
sich so gewünscht. Um Evita Peron existiert ein wahrer Personenkult. In
1919 geboren, wuchs sie in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 15 Jahren
kam sie nach Buenos Aires, arbeitete als Model, Radiomoderatorin und
Filmschauspielerin bis sie ihren zukünftigen Ehemann Juan Peron
kennerlernte, den damaligen Präsidenten. Sofort nahm sie eine wichtige
Rolle in der Regierung ein, obwohl sie nie ein offizielles Amt
bekleidete. Von der Arbeiterklasse wurde sie geliebt, denn sie setzte
sich für sie ein, und durch ihren Einfluss wurde das Frauenwahlrecht
eingeführt. Mit 33 Jahren starb sie an Krebs.
Das ausgediente Warehouse aus rotem Backstein entlang der Docks am alten
Hafen im Viertel Puerto Madero wurde restauriert und beheimatet nun
neben exklusiven Wohnungen und Büros auch Restaurants und Cafes direkt
am Wasser. Wir gönnen uns ein sehr leckeres Eis bei „Freddo“ und
beobachten die Menschen auf der Flaniermeile.
Das schöne Altstadtviertel San Telmo liegt bei uns um die Ecke, auf dem
Plaza Dorrego findet Sonntags ein Trödelmarkt mit Antiquitäten statt,
dann verwandelt sich die angrenzende Strasse „Defensa“ in eine
Fußgängerzone - voll von Musik, Tango und Straßenkünstlern. Ein toller
Ort, den wir auch unter der Woche öfter besuchen. Wir durchstöbern die
Antiquitätenläden, und während wir durch die Gassen laufen, wandert der
Blick oft die Hausfassaden hinauf - viele der alten Kolonialhäuser sind
liebevoll restauriert.
Wir sind nun schon eine Woche hier in Buenos Aires, und obwohl die Stadt
uns immer besser gefällt, fällt uns langsam die Decke auf den Kopf - wir
wollen weg! Also in‘s Reisebüro: Da Ostern bevorsteht, ist es schwierig
eine Reise zu buchen, denn viele Argentinier nutzen die Feiertage für
einen Kurzurlaub. Wir wollen eine Bustour in den Norden Argentiniens
machen - zu den Iguazu- Wasserfällen. Entweder sind die Touren
ausgebucht, es finden in der Osterwoche keine statt oder sie sind zu
teuer, weil individuell zusammengestellt. Endlich finden wir eine Tour,
die sogar ein richtiges Schnäppchen ist: 7 Tage, inklusiv Fahrt im
„Cama“- Bus (Bus mit Schlafsitzen) und 3- Sterne- Hotel mit Halbpension
für 110,- EUR pro Person. Wir schlagen zu, aber als wir am nächsten Tag
bezahlen und die Tickets holen wollen, werden wir enttäuscht: Auch diese
Tour findet nicht statt. Noch geben wir nicht auf, klappern ein
Reisebüro nach dem nächsten ab und finden dann schließlich doch noch ein
akzeptables Angebot für 180,- EUR pro Nase. Die Tour beginnt am Sonntag,
also haben wir noch ein paar Tage in Buenos Aires.
Marianne und Karl hatten uns vom Musical „Tanguera“ vorgeschwärmt, also
kaufen wir uns ebenfalls Tickets. Alle Plätze sind belegt, das Musical
scheint hauptsächlich von Einheimischen besucht zu sein. Die Handlung
ist einfach zu verstehen, es wird wenig gesungen, dafür um so mehr Tango
getanzt. Das Stück ist sehr kurzweilig und gefällt sogar Tommy, der
zunächst etwas skeptisch war.
Den Stadtteil La Boca besichtigen wir gemeinsam mit Hans, dem Radfahrer,
den wir auf der Peninsula Valdes getroffen hatten, und der in Azul
erfahren hat, dass wir noch in Buenos Aires sind. Boca ist ein altes
italienisches Hafenviertel, die farbenfrohen Häuser aus Blech und Holz
wurden früher mit übriger Bootsfarbe gestrichen, das Viertel wurde
hauptsächlich von Armen bewohnt. Heute ist La Boca vor allem ein
touristischer Ort mit vielen Straßencafes und Souvenirläden - zumindest
dort, wo die bunten Häuser stehen. Das restliche Boca scheint immer noch
recht arm zu sein - es wird empfohlen, sich als Tourist hier nachts
nicht aufzuhalten. Uns gefällt Boca ausgesprochen gut, obwohl es von
Touristen nur so wimmelt... In Boca befindet sich auch das berühmte
Fußballstadion der Boca Juniors, wo einst Diego Maradona spielte, der
heute einen Ehrenplatz auf der Tribüne hat.
Auch Palermo besuchen wir zusammen mit Hans. Wir laufen durch den
angrenzenden großen Stadtpark und gehen Essen in einem
Straßenrestaurant. Palermo ist eine reichere Gegend, die Häuser sind
nicht ganz so hoch wie in der Innenstadt, es ist ruhiger und sauberer
hier.
Nachts schrecken wir auf, weil unsere Zimmernachbarn - zwei Mädels aus
den USA - sturzbetrunken in ihr Zimmer stolpern und sich lauthals
unterhalten. Sie geben keine Ruhe, also klopft Rosa an ihre Tür und
bittet sie, leise zu sein. “Gute Nacht” bekommt sie als Antwort, die
Lautstärke mindern die zwei Gören allerdings nicht. Trotz Ohrenstöpsel
geht es ewig, bis wir wieder einschlafen, Tommy überlegt sich also, wie
wir uns rächen können. Früh morgens klopft er solange an ihre Tür, bis
eine von ihnen aufsteht und aufmacht. Tommy wünscht nun seinerseits den
beiden eine Gute Nacht, und wir nerven die zwei für die nächsten zwei
Stunden, so dass sie keine Chance haben weiterzuschlafen. Rache ist
süß... Glücklicherweise verschwinden sie noch am gleichen Tag, sonst
wäre sicher ein Kleinkrieg ausgebrochen...
Bustour zu den Iguazu- Fällen
Die Iguazu- Fälle sind die größten Wasserfälle der Welt. Der Großteil
der Fälle liegt auf argentinischem Staatsgebiet, den besseren
Gesamteindruck aber erhält man von brasilianischer Seite. Auf der
Gesamtbreite der Fälle von etwa 2.700 m stürzen durchschnittlich 1.700
m³/s, nach längeren Niederschlägen bis 7.000 m³/s in Stufen bis zu 75 m
hinab. Der Nationalpark beiderseits der Wasserfälle wurde 1984 in die
Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Wir sind froh, als wir endlich im Bus sitzen und aus der Stadt kommen -
endlich mal wieder unterwegs! Eine Bustour ist zwar nicht unbedingt
unser Ding, zumal dies auch noch eine geführte Tour ist, aber da unsere
Motorräder auf dem Weg nach Europa sind, ist das für uns die einzig
mögliche Art zu reisen. Für eine geführte Tour haben wir uns
entschieden, da dies uns wahrscheinlich günstiger kommt, als vor Ort
eine Bleibe zu suchen - jetzt an Ostern ist viel los und die billigen
Unterkünfte sind sicherlich alle voll. Wir hatten natürlich gehofft,
dass wir oben im Doppeldeckerbus sitzen würden, aber uns stecken sie
unten ganz nach hinten, direkt neben die Toilette, deren Tür klemmt, und
wo’s nach Pisse stinkt. Hier hat man die schlechteste Aussicht, und es
ist am lautesten, denn der Motor sitzt direkt hinter uns. Wir sind die
einzigen Ausländer, die Reiseleiterin spricht kein Englisch. Veronika
und Marcella, zwei junge Argentinierinnen erbarmen sich und übersetzen
das Wichtigste für uns.
Die Landschaft rauscht an uns vorbei, im klimatisierten Bus bekommt man
gar nicht so mit, wie es wärmer und tropischer wird, je weiter
nördlicher wir kommen. Auch landschaftlich ändert sich’s
dementsprechend, üppig grüne Tropenwälder, dazwischen blitzt rostrote
Erde auf.
Die Busfahrt nach Foz do Iguacu dauert insgesamt 24 Stunden, das liegt
daran, dass wir öfters mal Pause machen und die Ruinen der
Jesuitenmission San Ignacio besichtigen, die auf dem Weg liegen. Dort
begleitet unsere Reiseleiterin uns beide zum Kassenhäuschen - es scheint
ihr ausgesprochen wichtig zu sein, dass wir den doppelt so teuren
Ausländerpreis bezahlen. Nett von ihr... Dabei haben wir keine eigene
Führung durch das Gelände, der Führer spricht kein Englisch, so dass wir
uns von der Gruppe abseilen und auf eigene Faust die Ruinen besichtigen.
Die Teilnehmer der Bustour sind in verschiedenen Hotels untergebracht,
ein paar kommen auf der argentinischen Seite in Puerto Iguazu unter, der
Rest wird in fünf verschiedenen Hotels im brasilianischen Foz do Iguacu
untergebracht.
Wir werden als vorletztes abgeladen, das bedeutet, wir sind morgens fast
die ersten, die abgeholt werden und müssen dementsprechend früh
aufstehen. Unser 4- Sterne- Hotel ist mitten in der Innenstadt, die
anderen Hotels eher außerhalb im Grünen. Trotzdem ist unseres nicht
schlecht gelegen, so können wir wenigstens in den nahen Supermarkt zum
Einkaufen - die anderen sind auf die teure Hotelbar angewiesen. Wir
haben Halbpension, es gibt ein gutes Buffet im Hotel, und wir schlagen
uns mal wieder den Bauch voll.
Pünktlich um 7.30 Uhr am nächsten Morgen werden wir abgeholt, es dauert
wieder eine Weile bis alle eingesammelt sind. Dann geht’s über die
Grenze nach Argentinien, heute besichtigen wir die argentinische Seite
der Iguazu- Fälle. Wieder sorgt die Reiseleiterin dafür, dass wir den
Ausländerpreis zu bezahlen haben. Der Führer, der uns durch den
Nationalpark begleitet, spricht allerdings Englisch und ist so nett,
dass er uns in kurzen Stichworten erklärt was er vorher der Gruppe
erzählt hat.
Nun erleben wir das erste Mal wie es ist mit einer Gruppe eine
Sehenswürdigkeit zu besuchen. Jeder drängelt sich vor an den
Aussichtspunkten, will in die erste Reihe, fragt den Nachbar, ob der ein
Bild von ihm schießt, was nicht so einfach ist bei dem Gedränge...
Kurzum: Es ist schwer die Aussicht zu genießen...
Eine optionale Tour, die man buchen kann, heißt “Gran Aventura”, großes
Abenteuer, beinhaltet eine Dschungeltour mit einem Vierradantrieb- LKW
und eine Fahrt mit einem Schnellboot. Das hört sich gut an, wir zahlen
die 25,- EUR pro Person. Die Fahrt durch den Tropenwald ist reiner Nepp
- wir fahren auf topfebener Piste langsam durch den Wald, der Begleiter
erzählt ein bisschen von den Pflanzen, die zu sehen sind - von Abenteuer
keine Spur. Dafür ist die Bootstour klasse, über Stromschnellen geht’s
direkt unter einen der Wasserfälle - keiner bleibt trocken, alle sind
patschnass und haben ihren Spaß dabei.
Nun geht’s geschlossen ins Restaurant zum Essen, wir seilen uns ab, denn
wir haben uns vom Frühstücksbuffet was mitgenommen. Danach laufen wir
über einen langen Steg zum Garganta del Diablo, dem Teufelsrachen, wo
richtig viel Wasser in die Tiefe stürzt und Gischt aufwirbelt - ein
atemberaubender Anblick, der uns die Menschenmenge um uns vergessen
lässt. Auch sonst hat der Nationalpark viel zu bieten: Überall schwirren
bunte Schmetterlinge durch die Luft (es gibt sage und schreibe 800
verschiedene Arten hier!), handzahme, hungrige Waschbären suchen den
Menschenkontakt, um vielleicht was abzustauben, wir sehen sogar einen
Kaiman im Rio Iguazu und ein Tukan- Pärchen die Wasserfälle kreuzen! Der
Tropenwald ist üppig, überall blühen farbenfrohe Pflanzen - ein schöner
Tag! Der ist allerdings noch nicht zuende, der Bus karrt uns noch ans
Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay...
Am nächsten Morgen hat unser Bus Verspätung, statt um 8.00 Uhr holt er
uns erst um viertel vor Neun ab. Heute besuchen wir den Nationalpark auf
der brasilianischen Seite. Die Aussicht auf den Teufelsrachen ist fast
noch spektakulärer von hier, es gibt Aussichtsstege, die auf die
mittlere Stufe der Kaskaden führen - man ist also mittendrin! Wir sind
total begeistert! Regenbögen sind zu bewundern, die Gicht spritzt uns
nass, wir schießen Hunderte von Fotos. Es gibt einen Aufzug, der die
gehfaulen Besucher nach oben bringt auf die obere Aussichtsplattform,
von dort geht‘s per Nationalpark- Bus zurück zum Ausgang.
Wir bitten unsere Reiseleiterin uns am Vogelpark rauszuschmeißen, denn
das weitere Tagesprogramm interessiert uns herzlich wenig: Essen- fassen
in einem Restaurant, danach ein Wasserkraftwerk besichtigen - gähn...
Sie ist nicht gerade begeistert, aber stimmt zu, sie begleitet uns sogar
bis zum Kassenhäuschen -wahrscheinlich um ihre Provision abzusahnen. Es
ist nicht viel los im Vogelpark, keine Busausflügler sind hier, und wir
können die Tiere in aller Ruhe beobachten. Zuerst sind wir enttäuscht,
als wir an einer Reihe mannshohen Käfigen vorbeikommen, denn wir hatten
mit begehbaren Gehegen gerechnet. Und die gibt‘s tatsächlich dort, wir
befinden uns mit Ibise, Tukanen, Papageien und anderen Vogelarten in
einer riesigen Voliere! Tukane sind neugierig, diese hier sind an
Menschen gewöhnt - plötzlich hockt einer auf Tommy‘s Hand und knabbert
an seinem Armband! Der Vogelpark befindet sich in einem Dschungelwald,
auch hier finden wir viele Schmetterlingsarten und blühende
Tropenpflanzen - wir sind froh, dass wir uns abgeseilt haben, um den
Park zu besuchen.
Schon in der Nacht gewittert es, und am Morgen regnet es in Strömen.
Aber heute ist ohnehin eine Shoppingtour angesagt, da braucht man kein
schönes Wetter. Wir fahren zur Freihandelszone zwischen den Grenzposten
Argentinien und Paraguay, wo Elektronikartikel und Markenbekleidung
weitaus billiger sein soll als in Buenos Aires. Veronika übersetzt für
uns, wann wir uns wieder am Bus treffen. Um 12.00 Uhr wird er abfahren,
aber sie macht uns darauf aufmerksam, dass die Ortszeit gilt, und die
ist in Paraguay eine Stunde zurück. Anfangs bleiben wir bei der Gruppe,
aber wir merken schnell, dass wir nur in spezielle Läden geschleust
werden, wo die Sachen eher teurer sind als anderswo - wahrscheinlich
wieder eine Provisionsgeschichte unserer Reiseleiterin... Also trennen
wir uns von der Gruppe, vergleichen die Preise in den verschiedenen
kleineren Läden. Es gibt Markenwaren bei den Elektronikartikeln, aber
wir sind nicht sicher, ob es nicht nachgemachter Schrott aus China ist.
Trotzdem kaufen auch wir ein: Rosa kauft sich einen billigen MP4- Player
made in China, Tommy eine Speicherkarte - hoffentlich - original Sony.
Wir haben genug vom Shoppen, setzen uns in eine der wenigen überdachten
Imbissbuden, trinken ein Bier und wimmeln die unzähligen
Straßenverkäufer ab, die uns alle was andrehen wollen. Die Zeit vergeht
nicht, es ist erst kurz vor 11.00 Uhr. Trotzdem, aus irgendeiner
Eingebung heraus, laufen wir Richtung Bus und sehen, wie sich dieser
gerade in Bewegung setzt. Alles klatscht, als wir hereinkommen, Veronika
kann uns vor Scham gar nicht in die Augen sehen, sie ist total fertig
und hat verweinte Augen. Später, als sie sich wieder gefasst hat,
erzählt sie, dass sie der Reiseleiterin gesagt hat, dass es ihre Schuld
war, weil sie uns die falsche Uhrzeit angegeben hat. Trotzdem wäre der
Bus ohne uns los - mit der Begründung „Die zwei waren schon überall in
der Welt unterwegs, die finden schon wieder zurück“. Frechheit! Wir
wundern uns, woher unsere liebe Reiseleiterin das weiß, denn wir haben
niemandem von der Reisegruppe von unserer Weltreise erzählt. Aber klar,
wir mussten unsere Reisepässe abgeben, da hat sie wohl ein bisschen
darin rumgeschnüffelt. Nachmittags ist irgendeine Tour in Argentinien
angeboten, optional und kostet extra. Wir fragen, ob sie uns auf dem Weg
dorthin am Hotel absetzen, Pustekuchen, der Umweg von fünf Minuten
scheint zuviel. Strafe dafür, dass der Bus fünf Minuten auf uns warten
musste. Die Gruppe wird wieder in ein Restaurant zum Mittagessen
gekarrt, wir haben wie immer was dabei und müssen eine Stunde warten,
bis alle abgefüttert sind. Erst dann werden wir im Hotel abgeladen...
Am Abfahrtstag ist der Bus wieder eine dreiviertel Stunde zu spät - das
kennen wir ja. Auch auf der Rückfahrt ist Programm angesagt - Duty Free
an der argentinischen Grenze ist der erste Stopp, nach nur etwa 20 km.
Kurze Zeit später der nächste Halt: Wir besichtigen eine Edelsteinmine.
Dieses Mal gibt es keinen Ausländer- Spezialpreis, aber die Führung
findet nur in Spanisch statt - treffend sagt sie, dass sich die
Ausländer doch die Landessprache aneignen sollten... Viel zu sehen gibt
es nicht, trotzdem ist es interessant zu sehen, wie die Quarzsteinblasen
im Gestein sitzen.
Nach einer Nacht im Bus sind wir dann wieder zurück in Buenos Aires. Die
verbleibenden Tage dort nutzen wir vor allem, um die Reiseberichte für
die Webseite zu verfassen.
Nun steht uns eine kurze Rückkehr
nach Deutschland bevor, dann geht es weiter nach Polen!
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